talentify & Transparenz - ein Selbstversuch

Wir hatten bereits im letzten Jahr ein spannendes Gespräch mit Daniel und Dave von iamstudent.at, das uns inspiriert hat ein Start-up näher anzusehen - Buffer - und deren Zugang zum Thema Transparenz: https://bufferapp.com/transparency

Eine wirklich spannende Sache, die uns sehr inspiriert hat!

Nach einem Besuch im Sozialministerium vor kurzem und einer sehr spannenden Diskussion zu diesem Thema, haben wir uns nun dazu entschlossen einen Selbstversuch zu wagen: 100% Transparenz über unsere Finanzen und geschäftsrelevanten Bereiche von talentify.

Warum? Da wir uns als Sozialunternehmen sehen und dies auch transparent leben wollen, wird an dieser Stelle in Zukunft konsequent und offen dargelegt wo jeder Euro herkommt und wie dieser verwendet wird. Da es für Sozialunternehmen in Österreich leider noch keinen rechtlichen Rahmen gibt, ist dies derzeit in unseren Augen die einzige Möglichkeit, glaubhaft darzulegen was wir unter nachhaltigem Sozialunternehmertum verstehen. Hinter talentify steckt bekanntlich die talent 2 talent GmbH, die im letzten Jahr von der aws (Innovative Services Call), dem Innovationsinkubator von accent (AplusB Zentrum in Niederösterreich) sowie der Katharina Turnauer Privatstiftung gefördert wurde. Da wir für alle Fördergeber ohnehin eindeutig die Mittelverwendung darlegen müssen, ist dies eine ausgezeichnete Grundlage für diesen Selbstversuch.

Los geht's... schauen wir uns zu Beginn einmal das Jahr 2015 im Detail an:

1. Wieviel wurde 2015 investiert?

In Summe wurden im Jahr 2015 EUR 148.949,- in talentify investiert. Dies unterteilt sich in folgende Kategorien:

  • Personalkosten: EUR 60.731,-
  • Externe Dienstleister: EUR 53.380,-
  • Werbekosten: EUR 20.448,-
  • Infrastrukturkosten: EUR 7.872,-
  • Reisekosten: EUR 2.291,-
  • Sonstiges (Materialkosten, etc.): EUR 4.227,-

Hier das Ganze nochmals in Relation gesetzt und grafisch dargestellt:

Die Personalkosten für das gesamte Jahr 2015 verteilen sich auf drei MitarbeiterInnen und den Geschäftsführer Bernhard Hofer. Hier eine detaillierte Aufstellung:

  • Bernhard Hofer, Gründer & Geschäftsführer: EUR 5.065,- (als GF-Bezug)
  • Doris Hofer, Co-Gründerin & Marketing (Vollzeit): EUR 34.007,- (seit März 2015)
  • Christoph S., Webentwickler (Teilzeit): EUR 17.626,- (seit April 2015)
  • Veronica B., Community Manager (Teilzeit): EUR 4.032,- (seit Oktober 2015)

Diese Angaben sind natürlich all-inclusive, sprich inkl. Lohnnebenkosten und Arbeitgeberabgaben. Um dies zu verdeutlichen, wurden von den Personalkosten in der Höhe von EUR 60.731,- direkt (netto) nur EUR 35.641,- an die MitarbeiterInnen ausbezahlt. Dies entspricht einer Quote von 58,7%. Kurze Anmerkung dazu: ein durchaus beträchtlicher Teil, sprich EUR 25.090,- des erhaltenen Fördergeldes, ging also wieder an den Staat Österreich zurück.

Die großartigen externen Dienstleister waren im Jahr 2015:

  • Slash Creative Studio, Lead SW-Entwicklung talentify.me: EUR 29.200,-
  • flowio, App Entwicklung talentify.me: EUR 8.000,-
  • braenda, Branding & Graphic Design (On- und Offline): EUR 16.180,-

Die Werbekosten für das Jahr 2015 teilen sich in folgende Kategorien auf:

  • Druckkosten (Flyer, Plakate, Sticker, Visitenkarten, etc.): EUR 4.388,-
  • talentify Workshops, Veranstaltungen & Events: EUR 3.810,-
  • Schultour mit SLAM Marketing: EUR 3.800,-
  • Online Ads (Facebook, Google, etc.): EUR 2.392,-
  • Videodreh und Schnitt für Erklärvideo: EUR 2.100,-
  • Markenrechte (Europäische Gemeinschaftsmarke): EUR 1.800,-
  • Mitgliedschaften (Senat der Wirtschaft, WdF, XING): EUR 1.226,-
  • Postversand (Aussendungen, Infopakete für Schulen, etc.): EUR 688,-
  • Sonstiges (Verpflegung, Meetings, Kaffees, etc.): EUR 244,-

Die Infrastrukturkosten für das Jahr 2015 entfielen auf folgende Bereiche:

  • Miete Büro Wien (Liechteinsteinstraße 25/DG): EUR 2.363,-
  • IT Ausstattung (Monitore, PC, etc.): EUR 1.672,-
  • Softwarelizenzen (Adobe, Zendesk, Google for Business, etc.): EUR 1.894,-
  • Domains & SSL Zertifikat: EUR 993,-
  • Kommunikationskosten (Telefon, Handy, etc.): EUR 292,-
  • Sonstiges (Lohnverrechnung, WKO Grundumlage, etc.): EUR 658,-

 2. Wie wurde das Ganze finanziert?

Nicht minder interessant ist, wie wir diese zuvor skizzierten Kosten und Investitionen überhaupt tätigen konnten. Die Finanzierung von talentify erfolgte im Jahr 2015 dabei über folgende Quellen:

  • aws (Innovative Services Call): EUR 100.000,-
  • accent (AplusB Zentrum): EUR 20.720,-
  • Eigenmittel: EUR 20.000,-
  • Katharina Turnauer Privatstiftung: EUR 10.000,-
  • Eigene Umsätze: EUR 4.586,-

Zusammengefasst und grafisch dargestellt sieht dies folgendermaßen aus:

Dabei zeigt sich mit 78% ein klarer Überhang von öffentlicher Finanzierung. Die 13% Eigenmittel stammen dabei aus dem privaten Ersparnissen der Gesellschafter Bernhard und Doris Hofer. Es lohnt sich vielleicht noch einen Blick auf die ersten eigenen Umsätze zu werfen:

  • Workshops (Academy) und Vermittlung von Lehrlingen: EUR 3.000,-
  • InHouse Workshops (Arbeitsplatz der Zukunft): EUR 1.000,-
  • IT-Dienstleistungen (Webentwicklung): EUR 586,-

Diese Umsätze resultieren großteils aus ersten Piloten und Testläufen unserer Dienstleistungen und Produkte. Erst mit Herbst 2016 werden wir den aktiven Vertrieb starten, da bisher der Fokus auf dem Test und der Pilotierung unserer Lösungen mit Partnern lag.

3. Social Impact im Jahr 2015

Als Sozialunternehmen steht natürlich die erzielte soziale Wirkung (Social Impact) an oberster Stelle. Dabei geht es darum zu messen, welchen Nutzen die Investitionen und Tätigkeiten in talentify für die Zielgruppe, also sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche, haben.

Da die soziale Wirkung, vor allem im Bildungsbereich, nur mittel- und langfristig sinnvoll zu messen ist, konzentrieren wir uns derzeit auf den sog. "Social Output". Dieser beinhaltet vor allem harte Fakten - im Folgenden ein paar aktuelle Zahlen zur Nutzung:

Neben diesen Zahlen konnte auch eine große Anzahl von Berichterstattung in den Medien erzielt werden, was sehr zur Bewusstseinsbildung beiträgt und hilft mehr Jugendliche, Eltern, Schulen und LehrerInnen auf das Thema aufmerksam zu machen.

Diese Daten und Zahlen werden mittel- und langfristig um nachhaltige soziale Metriken erweitert, unter anderem durch:

  • SchülerInnen, die Nachhilfe erhalten und im Anschluss selbst geben
  • SchülerInnen bildungsferner Schichten, die ein höheres Bildungsniveau als ihre Eltern erreichen
  • SchülerInnen, die bei der Wahl der Ausbildung bzw. des Berufs nach der Schule vermittelt wurden und im 1. Jahr nicht abbrechen

Bis Ende 2017 soll ein Monitoring nach dem Vorbild des Social Reporting Standards (SRS) implementiert und laufend erweitert werden. Somit kann hoffentlich eine Offenlegung der aktuellen Zahlen in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden.

4. So finanzieren wir uns aktuell

Im Moment (Stand Mai 2016) finanzieren wir uns über eine weitere Unterstützung der KTP-Stiftung, dem accent Gründerservice (AplusB Zentrum) und aus eigenen Umsätzen. Darüber hinaus wurde Gründer und Geschäftsführer Bernhard Hofer im Herbst 2015 Ashoka-Fellow und erhält in Zuge dessen, finanziert durch die hil-foundation, ein Stipendium. Somit werden im Jahr 2016 auch keine GF-Bezüge ausbezahlt. Zusätzlich konnte vor kurzem ein erstes Social Impact Investment in der Höhe von EUR 50.000,- aufgestellt werden, welches uns aktuell als Brückenfinanzierung den laufenden Betrieb und die Weiterentwicklung von talentify ermöglicht. In Kürze werden nähere Details dazu bekannt gegeben.

5. Wo geht es hin?

Wir verfolgen mit talentify einen hybriden Ansatz. Im Kern steht mit talentify.me ein NON-PROFIT, das sich ausschließlich aus Förderungen, Spenden und CSR-Tätigkeiten finanziert und allen Beteiligten (SchülerInnen, Schulen, Eltern und LehrerInnen) kostenlos zur Verfügung steht.

Wie die Abbildung oben zeigt, bauen wir rund um diesen NON-PROFIT Kern herum ein nachhaltiges sowie sozial- und wirkungsorientiertes (Social Impact) Geschäftsmodell. Dabei werden Umsätze vor allem durch: (1) außerschulische und -betriebliche Workshops (siehe auch talentify Academy), (2) durch die Vermittlung und das Matchmaking von BerufseinsteigerInnen zu (Lehr-)betrieben, (3) freiwillige Spenden im Zuge einer talentify.me Fördermitgliedschaft und (4) individuelle Beratungsdienstleistungen im Bereich Employer Branding, Recruiting und Talentmanagement.

Mit diesem hybriden Geschäftsmodell wollen wir uns nachhaltig selbst finanzieren, mit dem langfristigen Ziel 100% unserer Kosten durch selbst erwirtschaftete Umsätze zu decken. Sobald Gewinne erwirtschaftet werden, verpflichten wir uns dazu diese zu 100% wieder in die soziale Wirkung zu reinvestieren - ganz im Sinne des "Social Entrepreneurship". Ganz konkret in die Weiterentwicklung und Skalierung von talentify.me sowie allen Stakeholdern und sonstigen Initiativen und Projekten die sich nachhaltig im Bildungsbereich engagieren.

Um diese Vision und langfristigen Ziele zu erreichen, stellen wir derzeit gemeinsam mit der Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship (FASE) eine Finanzierungsrunde auf. Dabei wird auch weiterhin ein Finanzierungsmix aus öffentlichen Förderungen, privaten Social Impact Investments im Zuge von Genussrechtskapital mit qualifizierter Nachrangabrede und Wandlungsoption sowie Spenden und CSR-Budgets angestrebt. Unterstützt von laufend wachsenden Umsätzen die im Endeffekt nachhaltig die eigene Entwicklung finanzieren sollen.

Für alle Interessierten: im Anhang (ganz unten) befindet sich unser aktuelles Pitchdeck ;-)

6. Feedback und Weiterentwicklung

Wie bereits erwähnt, stellt dies einen Selbstversuch dar. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen, wie wir unseren Start in 100% Transparenz weiterentwickeln können. Vor allem auch wie es möglich ist einen besseren und einfacheren Einblick zu gewährleisten.

Wir hoffen, dass dies ein weiterer Schritt in Richtung Öffnung und Vertrauen ist und freuen uns über jeder Unterstützung - inhaltlicher sowie finanzieller Natur - die uns die weitere Entwicklung und die Skalierung unserer sozialen Wirkung ermöglicht. Da bleibt uns nur noch eines zu sagen: JOIN THE EDOLUTION!

Anhang: Aktuelles Pitchdeck

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